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Dimethylfumarat und PML

2 Fälle von Progressiver multifokaler Leukencephalopathie sind bisher unter der Behandlung von Multipler Sklerose mit Tecfidera aufgetreten. Unter der Behandlung mit dem Psoriasismittel Fumaderm waren es 9 Fälle, so das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.

Tecfidera® ist seit Januar 2014 zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit schubförmig remittierender Multipler Sklerose und Fumaderm® seit 1994 zur Behandlung von mittelschweren bis schweren Formen der Psoriasis vulgaris, auch Schuppenflechte genannt, zugelassen. Beide Mittel enthalten den Wirkstoff Dimethylfumarat.

Das BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) informiert darüber, dass aus Deutschland bislang insgesamt 9 Fälle einer PML (progressive multifokale Leukencephalopathie) im Zusammenhang mit der Anwendung von Fumaderm® und 2 Fälle in Zusammenhang mit der Anwendung von Tecfidera® gemeldet wurden. Vor dem Hintergrund entsprechender Fallberichte wurde im Oktober 2014 durch Deutschland ein europäisches Signalverfahren eingeleitet und als Ergebnis desselben wurde im Dezember 2014 ein Worksharing-Variation-Verfahren zu dimethylfumarathaltigen Arzneimitteln zwecks Anpassung der Produktinformationen auf europäischer Ebene gestartet. Dieses Verfahren dauert derzeit noch an.

Regelmäßige Blutbildkontrollen inklusive Differential-Blutbild

Es sei davon auszugehen, so das BfArM, dass eine längerfristige, schwere Lymphopenie unter der Therapie mit Dimethylfumarat einen Risikofaktor für die Entstehung einer PML darstellt. Daher möchte das Institut erneut eindringlich auf die Notwendigkeit der Durchführung regelmäßiger Blutbildkontrollen (inklusive Differential-Blutbild) hinweisen bei Patienten, die mit dimethylfumarathaltigen Arzneimitteln behandelt werden. Bei niedrigen Lymphozytenwerten sei das Mittel abzusetzen, so das BfArM mit Verweis auf die Fachinformation für Fumaderm®, das Therapiehandbuch des Kompetenznetz Neurologie und die Rote-Hand-Briefe zu Fumaderm® (Juni 2013) und zu Tecfidera® (Dezember 2014). 

Patienten sollten bezüglich des Neuauftretens neurologischer Symptome, die auf eine PML hinweisen können, überwacht werden. Diese Symptomatik könne u.a. Störungen des Hör-, Sprach-, Denk- und Erinnerungsvermögens, Schwäche- und Taubheitsgefühl der Extremitäten und/oder Persönlichkeitsstörungen/-veränderungen umfassen. Da die Symptome einer PML denen einer Multiplen Sklerose ähnlich sein können, sind Blutwerte und im Verdachtsfall weitere Diagnosemöglichkeiten nötig.

Bei entsprechender Symptomatik sollte das Arzneimittel abgesetzt und der Patient einer weitergehenden neurologischen Diagnostik und Therapie zugeführt werden. Das BfArM werde über den Fortgang des europäischen Bewertungsverfahrens und damit einhergehende Änderungen der entsprechenden Produktinformationen informieren.

PML-Fälle bei der Therapie mit anderen Wirkstoffen zur Behandlung der Multiplen Sklerose

Eine Reihe von Immunsuppressiva gegen Multiple Sklerose können PML auslösen. Länger bekannt war diese sehr seltene aber schwerwiegende Nebenwirkung unter Natalizumab (Tysabri). Hier erhöht sich das PML-Risiko bei JC-Virus-positiven Patienten vor allem bei einer Behandlungsdauer von über 2 Jahren. Noch nicht so lange bekannt sind PML-Fälle unter Dimethylfumarat als auch unter Fingolimod. Zu Gilenya/ Wirkstoff Fingolimod: Bisher wurde ein PML-Fall nach 4 Jahren Behandlung gemeldet; der Patient zeige zuletzt keine klnischen PML-Symptome und es geht ihm gut Ein weiterer Fall war zwar unter der Behandlung mit Gilenya aufgetreten, jedoch hatte der Patient zuvor Natalizumab bekommen. Inzwischen – Stand Mai 2015 – gibt es auch einen Rote-Hand-Brief des Herstellers zu Fingolimod / Gilenya.

 

Quelle: Information des BfAr Medizin, April 2015
Redaktion: AMSEL e.V.
By | 2015-05-06T07:57:53+00:00 April 21st, 2015|Multiple Sklerose, News|0 Comments