Sie erreichen uns jederzeit per E-Mail|office@ms-selbsthilfe.at

Eine kontrollierte Studie von Natalizumab bei schubförmiger MultipleSklerose

unter diesem Titel berichtet „The New England Journal of Medicine am 2. Januar 03 über eine internationale Studie.

Im September 2001 stellte Prof. G. Rice aus Canada anlässlich des MS Kongresses in Dublin die Resultate der Phase II -Studie zu Natalizumab bereits mündlich vor.

Über 30 Institute und MS-Zentren in den USA, Canada, Grossbritannien und Irland haben an dieser Studie mitgewirkt. Eine grosse Zahl pharmazeutischer Unternehmen sind Sponsoren der Forschungsgruppen an diesen Instituten und Kliniken.

Nachdem im Tierexperimente gute Ergebnisse erzielt wurden und eine erste Pilotstudie mit MS-Betroffenen erfolgreich verlief, ist dies die erste grössere klinische Studie zur Wirksamkeit und Medikamentensicherheit des Natalizumab bei MS.

Hintergrund

Die Entzündungsreaktion bei Multiple Sklerose Erkrankten scheint in einer Autoimmun-reaktion zu entstehen, an welchen aktivierte Lymphozyten und Monozyten beteiligt sind. Bei der Aktivierung und Anbindung der Entzündungszellen an der Gefässwand und bei der Einwanderung ins Gewebe scheint das Glycoprotein a4-integrin eine entscheidende Rolle zu spielen. Natalizumab ist nun der Gegenspieler des a4-integrins. In Tiermodell der MS konnte es die Neubildung von Herden verhindern sowie auch in einer Pilotstudie mit MS-Patienten.

Methode

In einer doppelblinden, randomisierten Studie mit insgesamt 213 Patienten von schubförmig remittierender und auch sekundär-progredienter MS erhielten je eine Gruppe Patienten nach dem Zufallsprinzip entweder Placebo 71 Personen) oder 3 mg/kg Körpergewicht (68 Patienten) oder 6 mg/kg KG (74 Personen) Natalizumab als Infusion alle 28 Tage für 6 Monate. Erstmals war der primäre Endpunkt der Studie (Hauptziel der Untersuchung) die Zahl der neu entstehenden Läsionen auf monatlich durchgeführten Gadolinuium-speichernden MRI-Darstellungen während der 6-monatlichen Studienzeit. Weitere Zielpunkte der Studie waren die Schubzahl und das Allgemeinbefinden.

Resultate

Es zeigten sich deutliche Reduktionen der mittleren Zahl der neu entstehenden Läsionen unter beiden Dosierungen von Natalizumab: 9.6 Läsionen bei Placebo, 0.7 Läsionen unter 3 mg/kg KG und 1,1 Läsionen unter 6mg/kg KG. Unter Placebo hatten 27 Patienten Schübe, verglichen mit 13 Patienten unter Natalibzumab 3mg/kg KG und 14 Patienten unter der 6 mg-Dosis. Die unter Placebo stehenden Patienten fanden ihren Allgemeinzustand leicht verschlechtert, während die mit Natalizumab von einem verbesserten Allgemeinzustand berichteten ( gemessen mit dem visual analog scale).

Schlussfolgerungen

In einer Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie führte Natalizumab zu einer geringeren Zahl neuer entzündlicher Herde im MRI und geringerer Schubzahl während einer 6-monatigen Studiendauer bei Patienten mit schubförmiger Multiplen Sklerose. Die Effekte sind deutlich besser als unter den ß-Interferonen und Copaxone, auch bereits nach dem 1. Monat der Behandlung. Die Einschätzung des Allgemeinbefindens nach dem visual analog scale muss mit Vorbehalt betrachtet werden, da diese Testskala bisher wenig angewendet wurde.

Das Sicherheitsprofil von Natalizumab zeigt eine gute Verträglichkeit, Kopfschmerzen und Infekte werden unter der Substanz deutlich häufiger beobachtet als unter Placebo. Die Wirkung der Blockade des a4-integrin auf menschliche Anpassungsreaktionen ist nicht bekannt. Weiterführende Langzeit-Studien mit Natalizumab werden klarere Daten liefern. Natalizumab könnte durch seine Bindung an a4ß1-integrin die Aktivierung von T-Lymphozyten hemmen oder autoreaktive T-Lymphozyten eliminieren.

Zusammenfassung

Natalizumab hatte in der vorliegenden Studie günstigere Effekte auf den klinischen Verlauf und auf MRI-Endpunkte bei Patienten mit Multipler Sklerose. Die Verträglichkeit war gut während der Studiendauer. Vielversprechende Resultate wurden mit dieser Substanz auch in einer Studie bei Patienten mit Morbus Crohn (autoimmunologische Darmerkrankung). Trotz der ermutigenden Resultate braucht es weitere Daten zum Langzeiteffekt von Natalizumab. Die Wirkung auf die Progression der MS mit Behinderung und sein Effekt im direkten Vergleich zu bestehenden Therapien sind noch nicht bekannt.

Bemerkenswert ist, dass im Nachspann alle pharmazeutischen Firmen zitiert werden, die sich bisher an der Entwicklung der Betainterferone und Copaxone beteiligten sowie weitere Firmen, die sich in der MS-Forschung engagieren.

Zusammenfassung: Dr. Martina Spycher,
Redaktion ms-forum Quelle: N Engl J Med 2003; 348:15-23
www.nejm.org

By | 2015-03-18T19:50:54+00:00 Januar 15th, 2015|Forschung|Kommentare deaktiviert für Eine kontrollierte Studie von Natalizumab bei schubförmiger MultipleSklerose