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Interview mit Paola Zaratin, PhD 2015-04-16T14:56:57+00:00

Leiterin der wissenschaftlichen Forschungsabteilung, Italienische MS Gesellschaft, Genua, Italien

Welche Prioritäten hat sich die Italienische MS Gesellschaft in Bezug auf die Forschungsarbeiten gesetzt?

Wir haben zwei Ziele vor Augen: Morgen eine Welt ohne MS und heute eine Welt ohne die Angst vor MS. Der Erfolg, um diese wichtigen Zielvorgaben zu erreichen, liegt in den Händen der MS-Wissenschaftler. Personen, deren MS schon fortgeschritten ist und diejenigen, die an Symptomen leiden, die ihre Lebensqualität einschränken, hoffen auf die wissenschaftliche Arbeit heute, um das Leben richtig auszuschöpfen.

Wie weist die MS Gesellschaft den einzelnen Bereichen die entsprechenden Fördermittel zu?

Im Moment werden außerhäusige Gelder, also Gelder, die den Forschern zur Verfügung gestellt werden, die nicht Mitglieder der MS Gesellschaft sind, direkt über eine jährliche Ausschreibung verteilt. Diese Ausschreibungen werden sorgfältig erst von Experten und dann auch noch vom Wissenschaftlichen Komitee der MS Gesellschaft überprüft. In den vergangenen drei Jahren hat dieser Prozess dazu geführt, dass prioritäre Forschungsprojekte im Bereich Genetik, Neuroimmunologie und Stammzellenforschung finanziert wurden. Obwohl das außerhäusige Forschungsportfolio der MS Gesellschaft heute wichtige Bereiche der Forschung abdeckt, zielen wir mit unserem Strategieplan 2011 – 2013 darauf ab, unsere Bemühungen in die Grundlagenforschung zu stecken, um über spezielle Projekte und themenspezifische Ausschreibungen eine Verbesserung der medizinischen und umfassenden Versorgung zu gewährleisten.

In welche Forschungsphasen investiert die MS Gesellschaft?

Die MS Gesellschaft fördert und finanziert außerhäusige Forschungsprojekte über ihre jährlichen Ausschreibungen. Um die Übertragung fundamentaler Forschungsprojekte in echte Vorteile für MS-Erkrankte zu übertragen, schreibt die MS Gesellschaft speziell Projekte in folgenden Bereichen aus:

  • vorklinische Forschungsprojekte, um neue Kandidaten für neurostärkende Moleküle (z. B. Fast Forward Programme) zu bewerten
  • Übertragungsforschung, um die Krankheitsdiagnose (z. B. MRT-Forschungszentren) zu verbessern
  • klinische Forschungsprojekte, um die Behandlungsformen für krankheitsmodifizierende und symptomatische Therapien zu bewerten (z. B. Stammzellenforschung, Neurological Centre of Experimental Therapies – CENTERS-Programm)
  • klinische Forschung, um neu aufkommende therapeutische Hypothesen zu bewerten

Darüber hinaus führen wir in unserer Rehabilitation Research Unit, einem herausragenden Zentrum für MS- Rehabilitation und Sozio-Gesundheitsforschung, die Teil unserer Abteilung für Soziales und Gesundheit ist, interne Forschungen durch.

In den vergangenen 20 Jahren hat die MS Gesellschaft 27 Millionen Euro in die MS-Forschung investiert. 2009 wurden 36 Forschungsprojekte, 8 Stipendien und 5 spezielle Projekte finanziert. In den vergangenen 3 Jahren führten die Forschungsprojekte, die von der MS Gesellschaft unterstützt wurden, zur Veröffentlichung von 233 Originalarbeiten in internationalen Fachzeitschriften.

Welche Highlights hat die MS Gesellschaft im Moment im Bereich Forschung aufzuweisen?

  • Spezielle Projekte zum Thema Stammzellenforschung in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen.
  • Die möglichst schnelle und kosteneffiziente Entwicklung neuer Behandlungsmöglichkeiten durch gemeinnützige klinische Studien oder Behandlungen, die für andere Erkrankungen eingesetzt werden.
  • Die Bewertung der Hypothese über die chronische cerebrospinalevenöseInsuffizienz (CCSVI) beiMSdurch die Finanzierung kontrollierter klinischer Studien und einer epidemiologischen Studie, um die Prävalenz bei MS und anderen neurodegenerativen Erkrankungen zu bewerten. l Teilnahme am Fast Forward Programm, das von der Nationalen MS Gesellschaft der USA finanziert wird und sich darum bemüht, den Vorgang der Medikamentenentwicklung zu beschleunigen und so die Lücke zwischen vielversprechenden Entdeckungen und kommerzieller Erfahrung und Finanzierung zu schließen, um eine schnellere Markteinführung zu erzielen.