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Kann seelisches Wohlbefinden die Wirkung einer Multiple Sklerose-Therapie beeinflussen?

Wie lässt sich die emotionale Gesundheit bei Multiple Sklerose-Erkrankten verbessern? Mit dieser Frage beschäftigen sich zwei amerikanische Forschungsteams.

Seelisches Wohlbefinden ist für die Bewältigung jeder Erkrankung wichtig. Trotzdem werden diese Zusammenhänge von den Behandlern oft nicht genügend berücksichtigt. Starker Stress zum Beispiel kann zu Angstzuständen und Depressionen führen, wodurch wiederum die Konzentrationen von Hormonen wie Adrenalin und Glucocorticoide ansteigen, die das Immunsystem negativ beeinflussen. Von Glucocorticoiden ist bekannt, dass sie hemmende Einflüsse auf das Immunsystem haben – was  auch in der Schubbehandlung bei Multiper Sklerose ausgenutzt wird. Zwei Studien sind diesen Zusammenhängen auf den Grund gegangen. Erste Ergebnisse wurden in Multiple Sclerosis News Today veröffentlicht.

Mit Wellness die Psyche stärken

Kimberly Beckwith McGuire, PhD, und ihre Mitarbeiter vom Kessler-Institut für Rehabilitation in West Orange, NY, veröffentlichten einen Bericht über die Evaluation eines psychoedukativen Wellnessprogramms, mit dem eine Verbesserung der Lebensqualität erreicht werden sollte. Die Forscher untersuchten 43 MS-Erkrankte, die an einem 10-wöchigen Wellnessprogramm teilgenommen hatten. Dieses Programm umfasste 90-minütige Gruppensitzungen, die darauf abzielten, sich soziale, intellektuelle, emotionale und spirituelle Faktoren besser bewusst zu machen. Elf Personen, die nicht an diesem Programm teilnahmen, dienten als Kontrollgruppe. Alle Versuchspersonen füllten Fragebögen aus, um Sachverhalte wie Depressionen, Angstzustände, Stress, Kognitionsprobleme, Schmerzen, Fatigue sowie soziale Unterstützung zu erfassen.

Die Teilnehmer des Wellness-Programms erlebten im Vergleich zur Kontrollgruppe statistisch signifikante Verbesserungen bei Depressionen, Angstzuständen, Schmerzen, bei der Stresswahrnehmung und beim allgemeinen Gesundheitszustand. Dieses Programm könnte nach Einschätzung der Forscher sehr gut als ein Modell für ergänzende Behandlungen bei MS-Erkrankten dienen.

Einflüsse auf das Depressionsrisiko

Eine zweite Studie, die von Dr. Keryn L. Taylor und Mitarbeitern durchgeführt worden ist, schloss 2.459 MS-Erkrankte ein, die an einer Online-Befragung teilnahmen. Erfragt wurden Angaben zur Demografie (Alter, Geschlecht, Nationalität etc.), zur Diagnose (auch zum zeitlichen Ablauf der Diagnose), zum Behinderungsgrad, Erkrankungen neben der MS, Fatigue, Depressionen, Lebensgewohnheiten und Gesundheitsverhalten.
Etwa ein Fünftel der Befragten gab an, Depressionen zu haben. Innerhalb dieser Gruppe hatten etwa 93% eine klinisch signifikante Fatigue. Eine mangelhafte Ernährung schien das Risiko für eine Depression zu erhöhen. Im Gegensatz dazu kann die Ernährung das Depressionsrisiko auch senken – zum Beispiel durch Einnahme von Omega-3-Fettsäuren (z.B. über Leinsamenöl) und Vitamin D, sowie regelmäßigen Fischverzehr, Meditation und ausschließlich moderate Alkoholaufnahme.

Die Ergebnisse dieser beiden Studien sind vielversprechend und unterstreichen, dass es nicht nur wichtig ist, die Symptome der MS zu behandeln, sondern auch dem seelischen Wohlbefinden und den Lebensgewohnheiten entsprechend Aufmerksamkeit zu schenken.

Originalarbeiten:
McGuire KB, Stojanovic-Radic J, Strober L, Chiaravalloti ND, DeLuca J.
Development and effectiveness of a psychoeducational wellness program for people with multiple sclerosis: description and outcomes. Int J MS Care. 2015 Jan-Feb;17(1):1-8. doi: 10.7224/1537-2073.2013-045.

Taylor KL, Hadgkiss EJ, Jelinek GA, Weiland TJ, Pereira NG, Marck CH, van der Meer DM. Lifestyle factors, demographics and medications associated with depression risk in an international sample of people with multiple sclerosis. BMC Psychiatry. 2014 Dec 3;14(1):327.

Quelle: www.ms-uk.org – 16. März 2015, Multiple Sclerosis News Today © BioNews-tx.com 2015

By | 2015-05-06T11:04:17+00:00 März 16th, 2015|Multiple Sklerose, News|0 Comments