Sie erreichen uns jederzeit per E-Mail|office@ms-selbsthilfe.at

Medikament gegen Epilepsie hilft möglicherweise auch gegen Nervenzerstörung bei Multipler Sklerose

Phenytoin, ein Wirkstoff, der häufig zur Verhinderung epileptischer Anfälle verwendet wird, könnte die Nerven des Auges vor Zerstörung bewahren und auch eine Zunahme von Behinderung bei Multipler Sklerose verlangsamen: Die Ergebnisse einer entsprechenden Phase-II-Studie sollen bei der 67.Jahrestagung der AAN (American Academy of Neurology) in Washington, DC, vorgestellt werden. Die Autoren vom University College in London betonen jedoch, dass weitere, größere Studien notwendig sind, um diese Ergebnisse zu bestätigen.

Hintergrund

MS-Schübe werden, so der derzeitige Wissensstand, durch autoimmun bedingte Entzündungsvorgänge ausgelöst. Diese Entzündungen können unter anderem auch toxische Konzentrationen an Natrium auslösen, die aus dem umgebenden Gewebe auf die Nervenfortsätze (Axone) einwirken und teilweise an deren Schädigung bzw. Zerstörung beteiligt sind. Der Wirkstoff Phenytoin wird in Form eines oralen Medikamentes in der Behandlung der Epilepsieeingesetzt – für eine MS-Therapie ist er insofern interessant, da er Natriumkanäle blockiert. Dieses sind feine Poren, die das Übertreten von Natrium in die Axone ermöglichen.

Die Studie 

Es handelt sich um eine Phase-II-Studie (Näheres zu Phase-I, -II, und –III Studien finden Sie in unserem Tool „MS erforschen“), die am University College in London (UK) durchgeführt wurde. Die Wissenschaftler unter der Leitung von Dr. Raj Kapoor rekrutierten 86 Versuchspersonen, die frühe Symptome einer akuten Optikusneuritis (Sehnervenentzündung) aufwiesen und teilten Sie auf Zufallsbasis in eine Wirkstoff- und eine Placebogruppe. Wirkstoff oder Placebo wurden dann über 3 Monate oral verabreicht, um zu sehen, ob das Medikament die Retina (Netzhaut), die lichtempfindliche Nervenschicht im Augenhintergrund, vor Zerstörung schützen könnte. Eine Optikusneuritis ist oft ein erstes Anzeichen für eine Multiple Sklerose.
Das Forscherteam verwendete eine bildgebende medizinische Technologie, die die Dicke der Retina-Schicht zu Beginn des Experimentes und dann sechs Monate später messen konnte. Dabei konnte festgestellt werden, dass es im Vergleich zur Placebo-Gruppe bei denjenigen Versuchspersonen, die den Wirkstoff erhalten hatten, zu einer 30% geringeren Zerstörung der Nervenschicht gekommen war. Ausführlichere Ergebnisse werden auf der kommenden AAN-Jahrestagung präsentiert.

Kommentare 

„Ein Schutz der Nervenfortsätze vor Zerstörung im Verlauf einer MS kann auch die Zunahme von Behinderungen verlangsamen. Das ist eines der wichtigsten Ziele der MS-Forschung“, so Dr. Kapoor: „Wenn weitere Studien dazu oder zu ähnlichen neuroprotektiven Ansätzen erfolgreich sein sollten, könnte dies die Zukunft für Menschen mit MS verändern.“
Die Studie wurde unter anderem auch von der US-amerikanischen MS-Gesellschaft gefördert. Deren Executive Vice President, Dr. Bruce Bebo, betont, dass ein Verlangsamen der Behinderungszunahme ein wichtiger Forschungsgegenstand sein sollte und, dass es sehr ermutigend sei, hier Fortschritte zu sehen.

Ein anderer interessanter Aspekt ist es, dass hier eine Therapie für Multiple Sklerose untersucht wird, die bereits für ein anderes Krankheitsbild auf dem Markt ist. Derzeit laufen diverse Studien, die zum Beispiel ein Blutdruck- oder ein Blasenmedikament hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bei MS untersuchen. Auch wenn das keine Garantie für eine Wirksamkeit ist, könnte doch bei Erfolg ein Teil der Entwicklungszeit eingespart werden und ein neues Medikament für MS-Erkrankte schneller zur Verfügung stehen.

 

Quelle: Research News, NMSS, USA, April 16, 2015 
Redaktion: DMSG BUndesverband e.V. – 20. April 2015

By | 2015-05-06T11:33:04+00:00 Mai 6th, 2015|Forschung|0 Comments