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Neue Wege zur Remyelinisierung im lebenden Modell

Nach verschiedenen Versuchen deutscher Forscher, zum Beispiel Professor Oliver Brüstle, Bonn, embryonale Stammenzellen für die Neubildung von Myelin für geschädigte Nervenfasern einzusetzen (Remyelinisierung), wird jetzt erneut von einem derartigen Versuch berichtet. So teilt die bekannte University of California Irvine am 2. Dezember 2004 mit, dass es dort erstmals gelungen sei, menschliche embryonale Stammzellen dazu zu bringen, in einem lebenden Tiermodell neues isolierendes Gewebe für Nervenfasern zu bilden. Dieser Befund habe potentiell bedeutende Auswirkungen für die Behandlung der Multiple Sklerose und von Rückenmarksschäden. Die Ergebnisse der Studie sind online veröffentlicht in dem von Fachleuten beurteilten (peer-reviewed) Fachjournal GLIA.

So haben die Wissenschaftler des University of California Irvine Reeve Irvine Reseach Center erstmals menschliche embryonale Stammzellen veranlasst, sogenannte Oligodendrozyten zu bilden, die ihrerseits Teile des Myelin-Gewebes dazu bringen, sich um geschädigte Nervenfasern (Axone) herumzuwickeln und die blanke Nervenfaser zu isolieren. Dieses Gewebe, Myelin, ist bedeutsam für die einwandfreie Signalübertragung in das Zentrale Nervensystem und, wenn es durch eine Krankheit (zum Beispiel MS) oder durch Rückenmarksschäden entfernt wurde, die Empfindungen und Koordination gestört werden mit der Folge von motorischen Defiziten und z.T. auch von Lähmungen. In dieser Studie wendete der Neurologe Hans Keirstead und seine Kollegen von der University of California Irvine (UCI), zusammen mit dem privaten Unternehmen Geron Corporation, wichtiger Produzent von embryonalen Stammzellen, eine neuartige Technik an, die es erlaubt, dass menschliche embryonale Stammzellen zu hochreinen Oligodendrozyten im Frühstadium differenzieren können. Diese hochreinen Zellen wurden anschliessend in das Rückenmark von Mäusen injiziert, die durch genetische Einflüsse kein Myelin um Ihre Nervenfasern haben. Nach der Übertragung in die Mäuse bildeten sich die Zellen zu ausgewachsenen Oligodendrozyten und wanderten zu den geeigneten Stellen der Nervenzellen innerhalb des Rückenmarks. Noch bedeutender war, dass die Wissenschaftler feststellten, dass die Oligodendrozyten auch Flecken von Myelin Basic Protein (MBP) entwickelten und sie beobachteten, dass sich kompaktes Myelingewebe um die Nervenzellen des Rückenmarks herumwickelte.Diese Versuche zeigten, dass Oligodendrozyren, die von menschlichen embryonalen Stammzellen abgeleitet sind, in einem lebenden System funktionieren können. „Diese Ergebnisse sind extrem spannend und vielversprechend“, so Dr. Keirstead. „Als nächstes planen wir Untersuchungen, wie diese Zellen die Sensorik und motorischen Funktionen verbessern können und wir hoffen, dass dies uns zu weiteren Versuchen mit Menschen führen wird, die dann bezüglich ihrer Krankheit und anderen Schädigungen Vorteile haben“.

Die Wissenschaftler hatten bereits in früheren Studien gezeigt, wie das Immunsystem des Körpers das Myelingewebe angreift und zerstört, wenn eine Schädigung des Rückenmarks eintritt oder eine MS fortschreitet. Sie konnten auch zeigen, dass Myelin in der Lage ist, zu regenerieren, sofern man mit Antikörpern die Immunantwort blockiert. Danach können sich offenbar Sensorik und Motorik wieder erholen.

Quelle: nach Information der QMS-Teilnehmerin Renate Memi, New York; ToDay@UCI, USA, 2.Dezember 2004 und GLIA online, November 2004

By | 2015-01-15T16:53:05+00:00 November 1st, 2004|Forschung|Kommentare deaktiviert für Neue Wege zur Remyelinisierung im lebenden Modell