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Nach dem Beschäftigungsverhältnis – Sorgfältige Planung 2015-04-14T14:26:14+00:00

Judy Gregurke, (DAppSc, MHA) Regional General Manager – MS Gesellschaft Australien Süd

Die Erfahrung von vielen Menschen mit MS zeigt, dass eine Karriere auch nach der Diagnose sich noch weiterentwickeln kann und dass die beruflichen Entfaltungsmöglichkeiten auch jetzt noch vielseitig und aufregend sein können. In der Australischen Längsschnittstudie erwies sich, dass die meisten Menschen mit MS, die ihre Arbeitsstelle aufgeben, dies aufgrund ihrer Symptome, insbesondere der Erschöpfungszustände wegen, tun und nicht etwa, weil die Arbeitgeber nicht bereit wären, entsprechende Anpassungen vorzunehmen. Der Entscheidungsfindungsprozess in Bezug auf die berufliche Situation beginnt Monate, Jahre oder auch Jahrzehnte nach der Diagnose. Wie lange es aber auch immer dauern mag: Eine vorausschauende Planung ist ungeheuer wichtig.

Bevor Sie sich entscheiden, nicht mehr zu arbeiten

Bevor Sie sich entscheiden, eine berufliche Veränderung anzustreben, sollten Sie mehrere Faktoren gegeneinander abwägen und sich auch Zeit dafür nehmen. Eine schnelle Entscheidung nach der MS-Diagnose muss nicht unbedingt immer die beste sein. Genauso wichtig ist es, sich selber Zeit zu geben und herauszufinden, ob entsprechende Anpassungen oder Veränderungen den Arbeitsalltag entlasten könnten.

Praktische Planung

Die Zukunftsplanung ist heutzutage ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Die Menschen machen Pläne für ihre berufliche Entwicklung, ihre finanzielle Sicherheit, ihre Freizeitaktivitäten und ihr Familienleben.

Sobald ein Mensch mit MS diagnostiziert wird, muss er alle vorher aufgestellten Pläne neu überdenken und jeder Mensch mit MS muss dabei so individuell vorgehen, wie es die Situation erfordert.

Es ist wichtig, dass jeder Mensch seine eigenen finanziellen Möglichkeiten genau einschätzt und dabei auch evtl. zur Verfügung stehende staatliche Hilfen mit einbezieht. Dabei ist es auch wichtig zu bewerten, inwieweit all dies den finanziellen Verpflichtungen der Person und deren Familie entspricht. Die gesetzlichen Hilfeleistungen sind von Land zu Land unterschiedlich. Dasselbe gilt für Renten und andere Einkommen. Auch die zukünftige Wohnsituation und entsprechende Anpassungen müssen von Menschen mit MS und ihren Angehörigen in Betracht gezogen werden. Unterstützung bei der Finanzplanung erhalten Sie bei den MS-Gesellschaften oder auch bei professionellen Finanzberatern.

Bedenken Sie dabei auch die gefühlsmäßigen Auswirkungen von der Entscheidung, nicht mehr zu arbeiten. Einige Menschen vermissen die Routine, die ein Arbeitsplatz ihnen ermöglicht, aber auch das soziale Miteinander mit den Kollegen. Eine gute Planung unterstützt Sie dabei, die Auswirkungen der Aufgabe des Arbeitsplatzes auf vielen Ebenen zu mildern.

Außerberufliche Planung

Außerberufliche Planung bezieht sich auf die Aspekte des Lebens, die neben der bezahlten Arbeitsstelle in Betracht gezogen werden müssen, und wird besonders für Menschen wichtig, die eine MS-Diagnose erhalten. Für viele davon kommt die Diagnose zu einem Zeitpunkt, wenn sie sich gerade auf dem Höhepunkt ihrer Karriereleiter befinden und sich auf eine lange und befriedigende Karriere vorbereiten, auf die ein Ruhestand mit Reisen und vielen Freizeitaktivitäten folgen sollte. Finanzielle Investitionen, Familie, Lebensstil und die Entscheidung, wo und wie man wohnen möchte, müssen von vielen Menschen mit MS ganz neu überdacht werden. Dasselbe gilt für aktuelle und geplante Freizeitaktivitäten.

Außerberufliche Planung ist wichtig

Wie alle Aspekte des Lebens und der Berufsplanung ist es wichtig, sich auf die Zeit nach der beruflichen Aktivität vorzubereiten. Dadurch können Ziele bestimmt werden, die nichts mit einem Beschäftigungsverhältnis zu tun haben und auf die man sich freuen kann. Ein guter Grund, auch als Rentner jeden Tag aufzustehen. Für Menschen mit MS ist das Rentnerdasein unter Umständen viel früher eine Realität als sie das bisher geplant oder erwartet haben. Mit der Diagnose entsteht die Notwendigkeit, diese Pläne neu zu bewerten.

Eine außerberufliche Planung ist am effektivsten, wenn man sie gemeinsam mit der Familie und guten Freunden oder Bekannten innerhalb des eigenen Netzwerkes durchspricht. Die beste Planung ist im Idealfall eine gemeinsame Planung mit der betroffenen Person, den nahestehenden Freunden und Verwandten, den behandelnden Medizinern, Finanz- und Berufsberatern und Einzelpersonen, die Sie im Hinblick auf Freizeitaktivitäten beraten können. Damit wird sichergestellt, dass die Person mit MS eine informierte Entscheidung treffen kann.

Lebensplanung für die Zeit nach dem Beschäftigungsverhältnis

Die Möglichkeit, auch weiter am gemeinschaftlichen Leben teilnehmen zu können, ist ein wichtiger Bestandteil der außerberuflichen Planung. Individuelle Charakteristika wie Persönlichkeit, bestehende Hobbys und Freizeitaktivitäten sowie Verpflichtungen gegenüber der Familie sollten in Bezug auf die Erreichbarkeit und Verfügbarkeit eines breit gefächerten Angebotes in der unmittelbaren Umgebung gegeneinander abgewogen werden. Neben den Hobbys und Freizeitaktivitäten können eher „formelle” Optionen in zwei große Kategorien zusammengefasst werden: Aktivitätsprogramme für die weiterführende persönliche Entwicklung und gemeinnützige Aktivitäten.

Freizeit und persönliche Entwicklung

Viele Gemeinden bieten eine Vielzahl kreativer und interessanter außerberuflicher Möglichkeiten für Einzelpersonen an. Dazu gehören zum Beispiel kreative Kunstprogramme (siehe Seite 16). Andere gehen lieber in ihrem Hobby auf und passen ihre Erwartungen an ihre jeweiligen Fähigkeiten an.

Ein weiterer wichtiger Bereich für das eigene Wohlbefinden kann körperliche Aktivität, Gesundheit und Wellness sein. Menschen mit MS sind sich in der Regel der gesundheitlichen Vorteile von körperlicher Aktivität bewusst. Es kann daher ausgesprochen befriedigend sein, Aktivitäten und Programme wie Schwimmen und Turngruppen, die lokal verfügbar und behindertengerecht zugänglich sind, rechtzeitig zu planen.

Gemeinnützige Arbeit

Für Menschen mit MS kann die gemeinnützige Arbeit innerhalb der MS-Gesellschaften und anderen Organisationen innerhalb der Gemeinde ein Gefühl von Sinn und Erfüllung vermitteln, das dem, das man vorher bei der Ausführung der bezahlten Tätigkeit empfunden haben mag, gleichzusetzen ist oder es zum Teil sogar übersteigt. In der Regel kann gemeinnützige Arbeit auf Teilzeitbasis durchgeführt und auf die verfügbare Zeit und die Fähigkeiten jeder einzelnen Person angepasst werden, unabhängig davon, ob die zeitliche Einschränkung sich auf andere Verpflichtungen oder Erschöpfung bezieht.

Eine außerberufliche Planung unterstützt Sie dabei, ihre gemeinnützigen Tätigkeiten mit ihre Fähigkeiten in Einklang zu bringen. Auch Attribute, die normalerweise mit dem Arbeitsleben einer Person in Verbindung gebracht werden, können außerhalb der Arbeit noch Bedeutung haben. So wird der typische „Workaholic” gerne von den Koordinatoren gemeinnütziger Arbeiten mit eingebunden, da er in der Regel sehr verlässlich ist und sich innerhalb seiner krankheitsbedingten Einschränkungen, falls es welche gibt, soweit es geht verausgaben wird.

Spendenaufrufe und die damit verbundenen Events bieten Menschen mit entsprechend verfügbarer Zeit und Energie hervorragende Möglichkeiten, sich einzubringen.

Die meisten MS-Events haben deshalb eine zweigleisige Zielsetzung: Spenden sammeln, um die Serviceleistungen für Menschen mit MS zu verbessern, und zugleich Menschen mit MS die Möglichkeit der Teilnahme an einer sinnvollen Tätigkeit zu geben. Andere gemeinnützige Organisationen oder Wohlfahrtverbände bieten eventuell auch entsprechende Alternativen an.

Fazit

Eine erfolgreiche außerberufliche Planung stellt sicher, dass man sich mehr auf die individuellen Bedürfnisse und Hoffnungen konzentriert denn auf die Behinderungen, Hindernisse und Begrenzungen. Irgendwann wird jedem Menschen mit MS auf seinem Weg mit der Erkrankung klar, dass das Leben immer noch eine Menge schöner Dinge und Erfahrungen bereit hält, auch, nachdem das Beschäftigungsverhältnis beendet wurde.