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Der Alltag mit kognitiven Problemen 2015-04-02T00:52:00+00:00

Von Dawn Langdon, leitende Dozentin, Royal Holloway, Universität London, GB

Der kognitive Einfluss von MS auf das alltägliche Leben wird oft übersehen, weil die kognitiven Schwierigkeiten so viel weniger sichtbar sind als die körperlichen Symptome. Kognitive Faktoren können ihre eigenen gesonderten Auswirkungen auf das Leben der Menschen haben, neben den durch MS auferlegten körperlichen Einschränkungen und über diese hinaus. Eine Person mit kognitiven Schwierigkeiten wird weniger wahrscheinlich eingestellt und wird wahrscheinlicher in den folgenden Jahren die Arbeit aufgeben. Entsprechend wird auch die Anzahl der sozialen Kontakte geringer sein und in den bevorstehenden Jahren abnehmen. Kognitive Probleme können bedeuten, dass eine Person bei der körperlichen Rehabilitation weniger Erfolg haben kann. Aufgrund von diesen und anderen Auswirkungen brauchen Menschen, bei denen MS auch zu kognitiven Dysfunktionen führt, Information und Unterstützung.

Wenn eine Person mit MS spürt, dass das Gedächtnis und die Konzentration nicht mehr so gut sind wie früher, ist es für die Person wahrscheinlich schwer zuzugeben, dass dies als Teil von MS geschieht. Dies ist vollkommen verständlich, weil wir dazu neigen, unseren Geist als ein perfektes Ganzes zu sehen. Für manche Menschen spiegelt er ihren Verstand oder ihre Seele wider. Veränderungen oder Schwächen, wie wenn wir ein Wort vergessen, das wir sagen wollen oder eine Verabredung verpassen, können Zweifel auf den gesamten Geist oder die ganze Person werfen. Kognitive Probleme bedeuten nicht, dass der Verstand oder die Seele eines Menschen gemindert wird oder auf irgendeine Weise beeinträchtigt ist. Kognitive Schwierigkeiten treten auf, wenn MS die Bereiche des Gehirns betrifft, die das Gedächtnis und die Konzentration regeln.

Kognitive Symptome sind den körperlichen Symptomen sehr ähnlich. So wie eine Person mit Steifheit in den Beinen Probleme mit dem Gehen haben kann, aber immer noch zum nächsten Geschäft gehen kann, so kann eine Person mit kognitiven Schwierigkeiten länger brauchen, um ein Buch zu lesen, aber daran immer noch Freude haben. Ähnlich wie das Gehen während des Tages oder in Phasen variieren kann und durch Müdigkeit beeinflusst werden kann, so können auch die kognitiven Fähigkeiten zu verschiedenen Zeitpunkten schwanken und durch Müdigkeit geschwächt werden.

Bei den meisten Menschen mit MS, die kognitive Symptome haben, sind einige Arten des Denkens betroffen, aber nicht alle und nicht gleichmäßig. Jeder, egal ob gesund oder krank, erlebt Schwierigkeiten, ersetzt unbeabsichtigt ein Wort durch ein anderes oder leidet an einer Gedächtnislücke, aber weil diese Schwierigkeiten bei manchen Menschen mit MS häufiger auftreten, beginnen sie, ihr tägliches Leben zu beeinflussen. Kognitive Probleme können von der Familie bemerkt werden. Manchmal können es Familienmitglieder aufgrund von Verlegenheit oder Furcht schwierig finden, über kognitive Probleme zu sprechen. Dennoch ist das Sprechen über kognitive Probleme in einer vertrauensvollen, positiven Beziehung oft der erste Schritt zu konstruktiver Hilfe. Es kann sein, dass die Familie die Auswirkungen von kognitiven Problemen bei MS beobachtet, aber sie fälschlich für etwas anderes hält. Wenn zum Beispiel eine Person mit MS immer vergisst, die Katze zu füttern, während ihr Partner in der Arbeit ist, dann kann irrtümlicherweise ihr Partner denken, dass sie absichtlich bei Hausarbeiten nicht mithilft und die Last, die der Partner trägt, um die Person mit MS zu Hause zu unterstützen, nicht würdigt. Tatsächlich liegt der wahre Grund dafür, dass die Person mit MS die Katze nicht füttert, einfach darin, dass diese Aufgabe ihrem Geist entgleitet, und als Ergebnis ihrer MS entgleitet sie ihrem Geist fast jeden Tag. In dieser Situation kann eine kleine Gedächtnishilfe wie ein Wecker, eine an eine Tür geheftete Notiz oder ein Telefonanruf ausreichen, um der Person mit MS zu helfen, die Katze routinemäßig zu füttern und vielleicht auch andere Aufgaben auszuführen.

Arbeitskollegen können auch bemerken, dass die Dinge nicht gut laufen. Auch hier kann es zu Lösungen führen, mit der Person mit MS über ihre besonderen Schwierigkeiten zu sprechen. Eine Person mit MS, die als Gärtner arbeitet, kann vielleicht ihre täglichen Pflanzaufgaben nicht erfüllen, obwohl sie von ihrem Chef klare Anweisungen für den Tag erhalten hat. Irrtümlicherweise denkt der Chef, dass die Person mit MS aus Faulheit die Arbeiten nicht vollendet hat. Tatsächlich wird es in einem Gespräch über das Problem klar, dass die ersten Pflanzungen immer fachkundig und schnell ausgeführt werden. Die späteren Aufgaben werden nicht ausgeführt, da es dem Gärtner mit MS am Nachmittag schwer fällt, sich an die Anweisungen zu erinnern. Dies könnte dadurch gelöst werden, dass die Anweisungen jeden Morgen aufgeschrieben werden, oder vielleicht dadurch, dass alle Pflanzen dorthin gelegt werden, wo sie gepflanzt werden sollen, bevor mit dem Pflanzen begonnen wird, damit sie als „Stichwortgeber“ dienen. Dies hilft dem Gärtner mit MS, sich an die morgendlichen Anweisungen zu erinnern.

Über kognitive Schwierigkeiten zu sprechen ist normalerweise eine Quelle der Erleichterung für die Person mit MS und ihre Familie und kann zu einfachen Lösungen führen, aber manchmal ist professionellere Hilfe nötig. Dies kann daran liegen, dass verschiedene Faktoren beteiligt sind, wie Müdigkeit, Angst oder Depression. Oder vielleicht beeinflussen sich kognitive Schwierigkeiten und die Bewältigung von körperlichen Symptomen, wie der Blasenfunktion oder der Selbstverabreichung von Medikamenten, gegenseitig.

Die einfachsten Strategien für den Umgang mit kognitiven Problemen beziehen physische Hilfen mit ein, wie Terminkalender oder elektronische Zeitplaner. Andere beziehen Denkweisen und Arten der Organisation von Fakten mit ein, so dass sie zuverlässiger auf Verlangen abgerufen werden können. Bei Menschen, deren Gedächtnisprobleme schwerwiegender sind, ist es hilfreich zu lernen, Aufgaben ohne Fehler auszuführen. Die Versuch-und-Irrtum-Methode ist für sie schwierig, da sie es schwer finden, die falsche Art, Dinge zu tun, zu vergessen, und die neue, richtige Art einzusetzen. Kleine, frühe Studien dieses Ansatzes, bekannt als „fehlerfreies Lernen”, waren vielversprechend.

Verstehen und akzeptieren ist wesentlich dafür, mit den kognitiven Problemen von MS gut leben zu können. Der erste Schritt zu einer konstruktiven Veränderung besteht darin, darüber zu sprechen, seine Erfahrungen mit kognitiven Problemen und Lösungen bei MS zu teilen. Eine positive, zuversichtliche Annäherung wird wahrscheinlich zu einer guten Bewältigung führen.

MEDIKAMENTE, DIE DIE KONZENTRATION BEEINTRÄCHTIGEN KÖNNEN*

  • Chemische Bezeichnung >> Anwendung bei MS
  • Amantadin >> Müdigkeit
  • Clonazepam >> Zittern, Schmerzen, Spastik
  • Diazepam >> Muskelkrämpfe, Spastik
  • Fluoxetin >> Depression, MS-Müdigkeit
  • Gabapentin >> Schmerz

*Es ist wichtig, eine aktualisierte Liste der aktuellen Medikamente zu führen und niemals eine Medikation zu ändern oder abzusetzen, ohne den verschreibenden Arzt zu konsultieren.