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Fragen und Antworten 2015-04-02T00:10:57+00:00
Leser von MS in Focus fragen die Herausgeberin Michele Messmer Uccelli. Herzlichen Dank für die Auskünfte unserer Fachleute.

[box type=“shadow“ align=“alignleft“ ]Ich bin 37 Jahre alt und mein Mann, der an MS leidet, ist mittlerweile stark behindert. Meine Aufgabe als sein einziger Pfleger ist sehr anspruchsvoll, insbesondere weil er überhaupt nicht mehr in der Lage ist, sich selbst zu versorgen. Außerdem versuche ich, weiter meinem Beruf nachzugehen. Kürzlich hat ein Kollege sein Interesse an mir bekundet, was für mich eine erfreuliche Überraschung war. Ich war noch nie untreu. Doch um ganz ehrlich zu sein, wäre es schön, eine sexuelle Beziehung mit einem gesunden Menschen zu haben, der nichts von mir braucht. Bei dem Versuch, diese Versuchung zu rechtfertigen, sage ich mir, dass eine außereheliche Beziehung wie eine Verjüngung wirken und mir dabei helfen könnte, eine bessere Ehefrau und Pflegerin für meinen Mann zu sein. Ich habe im Chatroom mehrere Unterhaltungen dazu gelesen und finde, dass einige Partner von Schwerbehinderten beim Thema außerehelicher Beziehungen sehr selbstherrlich reagieren. Das Problem ist, dass ich die Argumente beider Seiten verstehe. Ich wollte nun fragen, ob es in diesem Bereich Forschungen gibt, die mir möglicherweise weiterhelfen könnten?

Vielen Dank, Ann[/box]

A: Leider gibt es keine Forschungsergebnisse, die voraussagen können, was mit der Beziehung zu Ihrem Mann passieren würde, wenn Sie eine Affäre hätten. Von einigen Partnern von Menschen mit MS wissen wir, dass sich die Affäre destruktiv ausgewirkt und der bereits prekären Beziehung irreparable Schäden zugefügt hat. In anderen Fällen berichten Partner, dass eine Affäre dem gesunden Partner geholfen hat, seine Pflegeverpflichtungen weiter wahrzunehmen. Was wir wissen, ist, dass es kein außergewöhnliches Dilemma für Pfleger ist. Im Buch Surviving Your Spouse’s Chronic Illness [etwa: Leben mit der chronischen Krankheit des Partners] schreibt Chris McGonigle dass “…die Frage, ob man eine Affäre haben sollte, eine sehr persönliche ist. Jede Person hat eigene Werte und religiöse Bekenntnisse … daher muss jeder seine eigenen Entscheidungen treffen…”.

Obwohl die Entscheidung letztlich bei Ihnen liegt, könnte es unter Umständen helfen, Ihre Gefühle und Zweifel mit einem erfahrenen Berater oder Psychotherapeuten
zu besprechen.

Verweis: C. McGonigle. Surviving Your Spouse’s Chronic Illness. Henry Holt and Company, Inc. 1999. New York.

 

 

[box type=“shadow“ align=“alignleft“ ]Bei meiner 19-jährigen Tochter wurde kürzlich MS diagnostiziert. Mein Mann ist der Meinung, dass sie es wissen sollte, doch ich habe Angst, dass sie durch diese Neuigkeit ihren Freund verlieren könnte, den sie heiraten möchte. Wenn unsere Tochter keine sichtbaren Symptome hat, warum sollten wir es ihr dann erzählen und riskieren, dass sie allein bleiben muss?

Grüße, Assunta[/box]

A: Es ist äußerst gefährlich, diese Informationen vor einer Person geheim zu halten, selbst wenn es sich um Ihr Kind handelt. MS ist eine unvorhersehbare Krankheit, die Symptome können jederzeit auftreten und Ihre Tochter mehr oder weniger schwächen. Außerdem hindert sie die Vorenthaltung der Diagnose daran, mit einer medikamentösen Behandlung zu beginnen, die das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen könnte. Mit MS gut leben zu können, hängt in erster Line von den Informationen und richtigen Entscheidungen ab. Je eher eine Person mit MS korrekte Informationen erhält, desto schneller kann der Anpassung- und Umgangsprozess beginnen. Diese Möglichkeit wird Ihrer Tochter vorenthalten, wenn Sie ihre Diagnose nicht kennt. Mit dem Auftreten neuer oder schlimmerer Symptome kommt ohnehin bald der Zeitpunkt, an dem Sie Ihr die Wahrheit sagen müssen. Sie könnte es Ihnen übel nehmen, dass Sie ihr nicht gleich zu Beginn die Wahrheit gesagt haben und das wiederum könnte Ihre Eltern- Kind-Beziehung belasten.

Ein Psychologe, der sich mit MS auskennt, kann Ihnen helfen, diese und andere Aspekte Ihrer Situation zu erörtern.

Hinweis: Die Tatsache, dass ein Arzt die Diagnose einem erwachsenen Familienangehörigen des Patienten mitteilt und dessen Wunsch erfüllt, den Patienten nicht einzuweihen, ist ein sehr diffiziles kulturelles und gesetzliches Problem. In einigen Ländern wäre dies undenkbar und scheint in anderen eher anerkannt zu sein.