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Auch Kinder können an MS erkranken 2015-04-02T00:06:37+00:00
Von Professor Folker A. Hanefeld, MD, Pädiatrischer Neurologe, Georg-August- Universität, Göttingen, Deutschland

Als die Multiple Sklerose 1874 „entdeckt“ wurde, bestanden Zweifel über das Vorkommen dieser Krankheit im Kindesalter und für ca. 50 Jahre wurde MS bei Kindern vor dem Alter von 10 Jahren ignoriert oder bestritten. Mit Beginn der modernen Forschung war es jedoch möglich, zwischen den verschiedenen Ursachen für Entmarkungskrankheiten zu unterscheiden, wodurch sich auch die Möglichkeit einer Erkrankung von Kindern abzeichnete, obwohl wirkliche MS bei Kindern und Jugendlichen nach heutiger Erfahrung sehr selten auftritt.

Derzeit folgt die Diagnose von MS bei Kindern anderen Kriterien als bei Erwachsenen, da Kernspintomografie bei Kindern schwieriger zu interpretieren ist und die erhaltenen Informationen im Gegensatz zu Erwachsenen weniger sicher sind. Deshalb müssen für eine korrekte Diagnose viele andere Krankheiten und Störungen mit ähnlichen Symptomen wie MS durch Tests ausgeschlossen werden.

Eine wichtige Studie, mit der man in Göttingen bereits 1989 begann und an der nur Kinder teilnehmen, deren Symptome vor dem 15. Lebensjahr begonnen haben, hat der MS-Gemeinschaft bereits viele wichtige Informationen über MS in der Kindheit geliefert. Durch die Studie konnten zwei Arten der MS bei Kindern unterschieden werden:

  • Kinder, bei denen die Krankheit vor der Pubertät (10 Jahre) beginnt; diese wird als eigentliche MS bei Kindern eingestuft
  • MS bei Jugendlichen (Beginn zwischen 10. und 15. Lebensjahr)

Studienergebnisse

Bei den Kinder mit den frühen, noch vor der Pubertät auftretenden Symptomen sind Jungen und Mädchen gleichermaßen betroffen. Bei den Jugendlichen liegt das Verhältnis männlich/weiblich bei 2:1, wie bei Erwachsenen mit MS. In 54 Prozent der Fälle wurde zu Beginn der MS ein einzelnes Symptom beobachtet. In 46 Prozent der Fälle hingegen konnten mehrere Symptome erkannt werden.

Hinweise auf eine definitive Verbindung zwischen Impfungen bzw. spezifischen Kinderkrankheiten und der Entwicklung von MS gibt es nicht. Interessanterweise fand man bei der Studie heraus, dass mehr als die Hälfte der Kinder vor Beginn der Erkrankung oder eines neuen Rezidiv eine nicht spezifische Infektion, vorwiegend im oberen Atmungstrakt hatten.

MS IN DER KINDHEIT – AUFGABEN DER MS-BEWEGUNG

[box type=“info“ align=“alignleft“ width=“100%“ ]  – Information der Öffentlichkeit und des medizinischen Personals.
– Medizinische Behandlung und soziale Unterstützung je nach Alter.
– Förderung der Forschung.

 

Denken Sie daran: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Es bestehen je nach dem Alter große Unterschiede bei den Bedürfnissen von Menschen mit MS.[/box]

Die Zukunft für Kinder mit MS

Diese weiterführende Studie wird auch in Zukunft neue Informationen liefern. Obwohl wir sicher sind, dass MS in der Kindheit existiert, bleibt die Forschung viele Antworten auf Fragen schuldig. In der Zwischenzeit ist eine frühe und korrekte Diagnose für jeden Patienten von hoher Bedeutung. Besonders bei Kindern hat sie weitreichende Auswirkungen auf ihre Zukunft.

Zu den wichtigen Punkten, die bei der Diagnose von MS in der Kindheit für das Kind und die Familie eine Rolle spielen, gehören:

  • Das Verständnis der Charakteristik der Krankheit
  • Der Umgang mit der sowohl potenziellen als auch realen Behinderung
  • Schule und Bildung
  • Wahl des Berufslebens
  • Partnerschaft und Familienplanung

Außerdem ist es wichtig, dass Mitarbeiter des Gesundheitswesens die Eltern von Kindern mit MS über Impfungen und Immunisierungen beraten. Verschiedene MS-Spezialisten geben dazu folgenden Rat:

  • Immunisierung sollte während einer akuten Phase odereinem Anfall vermieden werden.
  • Kindern, die Steroide oder Immunsuppressiva erhalten,sollten keine lebenden Impfstoffe verabreicht werden.
  • Zwischen einer Therapie mit Immunsuppressiva und dem Verabreichen von Impfstoffen oder einer Immunisierung sollte ein Zeitraum von mindestens drei Monaten liegen.
  • Die Kinder sollten nach Kontakt mit Masern oder Windpocken bzw. anderen hoch infektiösen Wirkstoffen Immunglobuline erhalten, falls sie durch eine vorherige Immunisierung nicht bereits geschützt wurden.
  • Während einer Therapie mit Immunsuppressiva sollte Geschwistern oder anderen im Haushalt lebenden Personen kein Poliomyelitisimpfstoff oral verabreicht werden.

Weitere Informationen und Empfehlungen zu Impfung und Immunisierung erhalten Sie von einem MS-Spezialisten oder der nationalen MS-Gesellschaft.

Die Anzahl an frühen und gut dokumentierten Fällen von MS in der Kindheit ist noch immer gering und nur die Zeit kann uns lehren, wie sich die Erkrankung im Erwachsenenalter entwickeln wird. Fortlaufende Informationen und Unterstützung sind wichtig für das Kind mit MS und für die ganze Familie.

AUCH KINDER KÖNNEN MS BEKOMMEN: EINE ANLEITUNG FÜR ELTERN MIT KINDERN ODER TEENAGERN MIT MS

[box type=“info“ align=“alignleft“ width=“100%“ ]Die MS-Gesellschaft Kanada und die Nationale MS-Gesellschaft der USA haben in Zusammenarbeit ein einzigartiges Unterstützungssystem für Familien entwickelt, deren Kind oder Teenager mit MS diagnostiziert wird. Das Netzwerk bietet:

1. Bildungsprogramme

2. Überweisungssysteme mit Informationen von örtlichen Vertretungen der MS-Gesellschaften

3. emotionale Unterstützung

4. Familienverbindungen

Wenn Sie Interesse an diesem Programm haben, wenden Sie sich bitte an childhoodms@nmss.org[/box]