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Forschungen zu Diagnosemöglichkeiten und Überwachungsmethoden bei MS 2015-04-16T14:31:00+00:00

Georgina Arrambide, MD, und Xavier Montalban, MD, Abteilung für Klinische Neuroimmunologie, MS-Zentrum Katalonien, Universitätsklinikum Vall d’Hebron, Barcelona, Spanien

MS ist eine chronische Erkrankung, die oft junge Menschen trifft und im Krankheitsverlauf zu unterschiedlichen Graden der Behinderung führt. Obwohl diese Vorgehensweise noch diskutiert wird beginnt man im Normalfall sehr früh mit einer krankheitsmodifizierenden Behandlung, denn klinische und radiologische Maßnahmen in den ersten Erkrankungsjahren haben einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Erkrankung. Um frühzeitig mit der Behandlung zu beginnen ist eine akkurate Diagnose absolut unumgänglich.

Aus diesem Grund haben sich die Studien bisher auf Menschen mit klinisch isolierten Syndromen (clinically isolated syndromes, im Folgenden CIS) konzentriert, also die ersten Episoden von Demyelinisierung des MS-relevanten Typs und suchen nach möglichen Biomarkern für die Diagnose und Prognose. Ein Biomarker ist ein Platzhalter, der objektiv als Indikator eines normalen biologischen Prozesses, eines pathologischen Prozesses oder der Wirkung einer Behandlung gemessen werden kann. Im Moment gilt die Magnetresonanztomographie (MRT) als verlässlichster Marker für die Diagnose und, in geringerem Ausmaß, auch für die Prognose über den Verlauf der MS. Ein weiteres Mittel für die Diagnose ist das Vorhandensein von oligoklonalen Banden (OCB) in der Gehirn-Rückenmarks- Flüssigkeit (CSF).

Magnetresonanztomographie (MRT)

Die MRT hat sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten zu einem der aktivsten Forschungsgebiete bei MS entwickelt und vermutlich auch unsere Einstellung zu dieser Erkrankung grundlegend geändert. Die entscheidende Veränderung bei der MS-Diagnose kam mit der Einführung der McDonald-Kriterien. Im Gegensatz zu vorherigen Kriterien war es jetzt nicht mehr erforderlich, auf einen zweiten Schub zu warten, der oft erst nach vielen Jahren auftaucht, um MS zu diagnostizieren. Die MRT-Parameter wurden mit einbezogen und so eine frühere Diagnose möglich. Eine MS-Diagnose bei Personen mit CIS kann dann gestellt werden, wenn das MRT charakteristische Läsionen mit Ausbreitungen (Disseminierungen) im Raum (DIS) und in der Zeit (DIT) aufweist. Um DIS nachzuweisen, muss das Gehirn-MRT eine gewisse Anzahl von Läsionen an verschiedenen Orten des zentralen Nervensystems (ZNS) aufzeigen. DIT erfordern den Nachweis neuer Läsionen im Vergleich zur MRT-Basislinie oder eine asymptomatische, Gadolinium anreichernde Läsion (eine Läsion, die aktiv im MRT zu beobachten ist, aber keine spezifischen Symptome verursacht) bei einer zweiten MRT. Wenn eine Läsion angereichert ist, dann bedeutet das, dass die Barriere, die das ZNS vom restlichen Körper abschirmt, durchbrochen wurde und Immunkomponenten in das ZNS eindringen können. Das weist dann auf eine Entzündung und Krankheitsaktivität hin.

Es wurden auch weitere MRT-Kriterien in Betracht gezogen. Da zwei unterschiedliche MRT-Scans erforderlich sind, um eine DIT nachzuweisen, hat eine Studiengruppe kürzlich vorgeschlagen, dass eine einzelne Gehirn-MRT, die DIS nachweist und gleichzeitig anreichernde und nicht- anreichernde Läsionen, die auf eine evtl. DIT hinweisen, sehr spezifisch auf eine vermutliche Verwandlung in MS bei Personen mit CIS hinweist. Es besteht natürlich in diesem Stadium und vor Allem in bestimmten Bevölkerungsgruppen, wie z. B. Kindern, die Möglichkeit der Fehldiagnose. Dieser neue Vorschlag für eine MS-Diagnose in Personen mit CIS über die MRT muss weiter untersucht werden.

Die MRT wird auch eingesetzt, um den Erfolg einer Behandlung zu bewerten. Eine kürzlich durchgeführte Studie zeigt auf, dass die Kombination klinischer Krankheitsaktivität und das Vorhandensein neuer, aktiver Läsionen im MRT sich als nützlich erweisen könnte, um die Personen zu identifizieren, die scheinbar nicht auf eine bestimmte Behandlung reagieren.

In Bezug auf die Behinderung ist es von Bedeutung, wo die Läsionen auftreten. Das Vorhandensein von Läsionen im Hirnstamm, dem Kleinhirn und dem Rückenmark als erste Beobachtungen im MRT ermöglicht es, Personen zu identifizieren, die einem höheren Risiko ausgesetzt sind, Behinderungen zu entwickeln.

Unkonventionelle MRT-Studien, die spezielle Techniken einsetzen, die nicht überall verfügbar sind, haben sich als nützlich erwiesen, um Atrophie in Verbindung mit der Krankheitsaktivität und dem Erfolg einer Behandlung zu messen. Solche Studien haben gezeigt, dass eine irreversible Gewebeschädigung bereits bei Personen mit CIS nachgewiesen werden kann. Außerdem scheint es, als ob Personen mit CIS und einer höheren Anzahl von Läsionen eher langfristige Behinderungen entwickeln.

Oligoklonale Banden

Einer der immunologischen Mechanismen der MS ist das Vorhandensein von Antikörpern, die von einigen Zelllinien während einer Entzündung gebildet werden. Jede Zelllinie produziert eine bestimmte Art von Immunglobulin und wenn diese gemessen werden, wird jedes davon als ein anderes Band angezeigt, daher der Name oligoklonale Banden (OCB). Sie repräsentieren die Produktion von Antikörpern innerhalb des ZNS und wurden auch in die McDonald- Kriterien mit aufgenommen. Die Präsenz von OCB ist ein unabhängiger Faktor für die Entwicklung von MS bei Personen mit CIS. Außerdem wird die Kombination von mindestens2MS-typischenLäsionenaufderMRT und dem Vorhandensein von von OCB als alternative Methode eingesetzt, um in den aktuellen Diagnosekriterien DIS nachzuweisen.

Eine Forschungsgruppe hat auch einen Subtyp des Immunglobulins in OCB, IgM genannt, untersucht und beobachtet, dass die Wahrscheinlichkeit einer Entwicklung zur MS bei CIS-Patienten, die diesen Subtyp aufweisen, etwa ein Jahr nach dem ersten klinischen Schub sehr wahrscheinlich ist. Sie haben darüber hinaus beobachtet, dass solch ein Subtyp die Progression der Behinderung vorhersehen kann und diese mit der Anzahl der MRT- Läsionen in Verbindung gebracht werden kann. Diese Untersuchungen müssen in weiteren Studien bestätigt werden.

Andere Biomarker

Trotz dieser Erkenntnisse bleibt die MS weiterhin eine unvorhersehbare Erkrankung. Das ist der Grund dafür, warum man derzeit neue Biomarker für die Entwicklung eioner klinisch definierten MS, Behinderungs-Progression und den Erfolg der Behandlung untersucht. Ziel dieser Studien ist es, einen verlässlicheren Marker zu finden, der weniger kostet und einfacher zu finden ist als die aktuellen Methoden. Mit der Entwicklung neuer Techniken können viele unterschiedliche Proteine, die im Serum oder in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit gemessen werden, untersucht werden. Man sollte jedoch unbedingt darauf hinweisen, dass keine von ihnen sich bisher als besser als die MRT und OCB-Diagnose erwiesen hat, und dass ihr Nutzen für den klinischen Einsatz noch bestätigt werden muss.

Schlussfolgerung

Die Suche nach neuen Biomarkern, um MS zu diagnostizieren und zu überwachen, ist ein sehr vielversprechendes Feld, das kontinuierlich weiterentwickelt wird. Bis heute sind die MRT und OCB die Hauptmarker, auf die die Neurologen ihre Diagnose stützen, wenn sie eine Person mit einer CIS untersuchen. Die MRT ist dabei auch nützlich, um den Erfolg einer Behandlung zu bewerten. Man sollte auch nicht vergessen, dass die pathologischen Prozesse, die hier involviert sind, nicht bei allen Personen mit CIS oder MS gleich sind und daher auch zur Verschiedenartigkeit der MS in Bezug auf ihren klinischen Verlauf und das Ansprechen auf verschiedene Behandlungsmethoden beitragen. Am Ende kann die Entscheidung nur gemeinsam von der Person mit MS und dem Neurologen getroffen werden und zwar basierend auf den vorliegenden Untersuchungsergebnissen und wie diese in jedem einzelnen Fall interpretiert werden können.