Sie erreichen uns jederzeit per E-Mail|office@ms-selbsthilfe.at
Geographischer Einfluss: MS-Genetik in Japan 2015-04-08T14:50:43+00:00

Jun-ichi Kira, MD, PhD, Fachbereich Neurologie, Neurologisches Institut, Hochschule für Medizinaufbaustudien, Universität Kyushu, Fukuoka, Japan

MS bei Asiaten zeichnet sich oft durch gezielte und schwerwiegende Mitleidenschaft des Sehnervs und des Rückenmarks aus. Fünfzehn bis vierzig Prozent der Japaner mit MS haben diesen optikospinalen Typ, während andere ähnliche Symptome wie Kaukasier mit MS aufweisen (konventioneller Typ).

Optikospinale MS wird gekennzeichnet durch häufige Rückfälle, schwere Behinderung, wobei nur geringe Hirnläsionen im MRT und lange, umfangreiche Läsionen beim Rückenmarks-MRT sichtbar sind. Des Weiteren finden sich bei ungefähr 90 Prozent der MS- Patienten eine Reihe ausgeprägter Banden im Immunoglobulin der Rückenmarksflüssigkeit, bekannt als oligoklonale IgG Banden. Beim unkonventionellen Typ von MS fehlen diese Banden. Darüber hinaus ist bei Kaukasiern ein familiäres Clustering von MS bekannt, in Japan ist jedoch das familiäre Auftreten von MS selten. Bei einer landesweiten Untersuchung über MS in Japan, die 2004 statt fand, wurde festgestellt, dass familiäre Fälle von MS weniger als ein Prozent ausmachen. Der zugrundeliegende Mechanismus, der diese Unterschiede hervorruft, ist unbekannt, scheint jedoch teilweise in den Unterschieden beim immungenetischen Hintergrundbegründet zu liegen.

Bei Leuten europäischer Abstammung wird die Anfälligkeit für MS mit einem bestimmten Haplotyp, oder einem Satz eng verbundener Allele (Gene oder DNA-Polymorphismen) in Verbindung gebracht, die als Einheit vererbt werden (HLA-DRB1*1501- DQA1*0102-DQB1*0602). Bei einem Allel dieses Haplotyps (HLA-DRB1*1501) wurde vor kurzem auch bei Afro-Amerikanern entdeckt, dass es mit einer Anfälligkeit für MS in Verbindung steht. In Gruppen, in denen höhere Anteile an optikospinaler MS vorkommen – wie z. B. Japaner, Chinesen, Südostasiaten und Golfaraber – steht derselbe Haplotyp nicht mit einer Anfälligkeit für MS in Verbindung. Wenn MS jedoch klinisch in konventionelle MS und optikospinale MS unterteilt wird, so steht konventionelle MS bei Japanern mit demselben Allel im Zusammenhang, das bei den Afro-Amerikanern gefunden wurde, wohingegen optikospinale MS mit einem anderen Allel im Zusammenhang steht (HLA- DPB1*0501).

Auch bei konventioneller MS steht die oligoklonale IgG Banden-positive MS in Verbindung mit der bei Afro- Amerikanern, während oligoklonale IgG Banden- negative MS mit einem Allel im Zusammenhang steht, das bei Personen mit MS auf der Insel Sardinien, Italien, und in der Türkei gefunden wurde (HLA-DRB1*04). Diese Beobachtungen lassen vermuten, dass Unterschiede bei klinischen Merkmalen und den Immunreaktionen bei MS teilweise mit Polymorphismen zusammenhängen,odereiner verbreiteten Abweichung oder Mutation der DNA, der HLA Klasse II Gene, einem Gentyp, der ein Protein kodiert.

Genomweite Studien zu Anfälligkeitsgenen für MS wurden bei Asiaten bisher nicht durchgeführt. Solche Studien könnten jedoch hilfreich für die Entschlüsselung neuer Gene sein, die an bestimmten Formen der Erkrankung beteiligt sind, darunter die bei Japanern häufig vorkommende optikospinale MS.