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Interview mit Rolande Cutner 2015-04-08T11:08:15+00:00

Rolande Cutner ist eine erfolgreiche internationale Anwältin in Paris und New York, ein sehr aktives Mitglied des Gremiums der französischen MS-Gesellschaft „Ligue Française Contre la Sclerose en Plaques” und die französische Vertreterin im People with MS International Committee. Rolande leidet ebenfalls an primärer, progressiver MS.

Wann wurde bei Ihnen MS diagnostiziert?
Im April 1992 wurde primäre progressive MS diagnostiziert, aber die ersten Symptome wurden um 1986 festgestellt.

Hatten Sie zu diesem Zeitpunkt eine Beziehung, waren Sie verheiratet und hatten Kinder etc.?
Ich hatte keine Kinder, war geschieden und hatte viele Dates.

Denken Sie, dass MS Ihre Beziehung mit (potentiellen) Partnern beeinflusst?
Ja, absolut. Wer möchte schon mit einer Frau eine Bindung eingehen, die während des gemeinsamen Lebens gelähmt werden könnte?

Haben Sie den Eindruck, dass Ihr Selbstbild, Ihr Selbstwertgefühl als Frau/Partnerin/sexuelles Wesen sich wegen MS verändert hat?
Ja. Während der Phase, in der ich nicht wusste, was mit mir los war und nachdem die Diagnose gestellt war, versuchte ich – allerdings ohne Erfolg – meine Krankheit zu verstecken. Mein Selbstbild und mein Selbstwertgefühl haben gelitten, solange ich versucht habe, die Diagnose zu leugnen. Als ich die Tatsache, dass ich an MS leide, akzeptiert hatte und nachdem ich beschlossen hatte, dass ich gegen MS kämpfen musste, fühlte ich mich besser, und diese Tatsache verbesserte meine Beziehung zu Männern sofort.

Haben Sie den Eindruck, dass andere (z.B. Partner, Gesundheitspersonal) Sie wegen MS in Ihrer Rolle als Frau, Partnerin und sexuelles Wesen anders sehen?
Nach der Diagnose von MS sehen die Menschen einen nicht mehr als Frau, als eine Frau, die ins Bett gehen könnte, Sex haben könnte und am Sexleben teilhaben könnte. Man ist also selbst dafür verantwortlich, anderen zu zeigen, dass man nach wie vor eine Frau und ein Mensch mit sexuellen Bedürfnissen ist, der am Sexleben teilhaben will. Man muss sich um sein Sexleben kümmern – eine lustige und sexy Frau sein – auch wenn man MS hat und das vielleicht sogar noch mehr als davor.

Denken Sie oder haben Sie selbst erfahren, dass Menschen mit MS begrenzte Möglichkeiten haben, sich sexuell zu entfalten oder Teil einer Partnerschaft zu sein? Menschen MS müssen nicht unbedingt begrenzte Möglichkeiten beim Aufbau einer Beziehung haben. Wenn man fürsorglich und liebevoll ist, geben kann und sich hübsch macht, kann man Kontakte knüpfen. Man darf nicht vergessen, dass MS keine Entschuldigung dafür ist, in Flanellpyjamas, mit Lockenwicklern auf dem Kopf und ohne Make-up herumzusitzen. Das Geheimnis besteht darin, die Führung zu übernehmen. Indem man Wege sucht, einen Partner anzuziehen, muss man die Vorstellung, die man vor MS von sich hatte, verändern. Man muss auf die Menschen zugehen und versuchen, Beziehungen aufzubauen.

Haben Sie seit Ihrer MS-Diagnose Ihren Lebensstil/Ihre Einstellung geändert, um Intimität und Sexualität zu erhalten oder zu fördern?
Ja, ich habe viele Dinge angepasst. Ich wurde anspruchslos und großzügig und ich habe keine Angst mehr davor, zurückgewiesen zu werden. Und ich bin heute bereit, für die Liebe viel mehr aufzugeben als früher. Heute wäre ich sogar bereit, meinen wunderbaren Job aufzugeben, um mit dem Mann, den ich liebe zusammen zu sein, wenn er mich darum bitten würde. Ich denke, dass MS einen dazu ermutigt, sein Leben auf außergewöhnliche Weise zu verändern.