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Interview: Dr Pablo Villoslada 2015-04-09T13:12:05+00:00

Bitte erzählen Sie ein wenig über sich selbst und Ihre Arbeit!

Ich bin Neurologe und arbeite am Zentrum für Multiple Sklerose an der Universität von Navarra in Pamplona, Spanien. Ich habe in Barcelona und San Francisco, Kalifornienstudiert, und mein Hauptschwerpunkt ist stets die MS gewesen. Im MS-Zentrum versuchen wir, den Krankheitsverlauf von MS nachzuvollziehen, wir führen biologische Studien durch, um die Erkrankung zu verstehen, und hoffen, diese Informationen nutzen zu können, um Biomarker und Therapien gegen MS zu finden.

Fragen viele Ihrer Patienten Sie nach der Stammzellforschung und MS?

Mehr als 30 Prozent meiner Patienten fragen nach einer Stammzelltherapie, besonders diejenigen mit einem hohen Behinderungsgrad. Inzwischen fragen mehr Leute danach als früher, durch die Geschichten in der Presse über Leute, die sich dieser Therapie unterziehen, es gab aber schon immer Interesse daran. Viele Leute sehen Stammzellen als Möglichkeit, ihren Körper zu erneuern – ein bisschen wie die Renovierung eines Hauses – und interessieren sich dafür, selbst wenn sie normalerweise die Vorstellung, Medikamente zu nehmen, nicht so gut finden.

Welche Fragen werden Ihnen gestellt?

Die Hauptfrage ist: „Eignet sich die Stammzelltherapie für mich?“, viele sind sich jedoch der wissenschaftlichen Komplexität dieses Themas nicht bewusst. Oft haben sie darüber gelesen oder gehört, dass sie bei jemand anderem funktioniert hat, und wollen sie für sich selbst. Normalerweise machen sie sich keine Gedanken über die Sicherheit und darüber, wie viel das kostet, hätten aber wahrscheinlich viel mehr Fragen, wenn die Therapie für sie in Frage käme!

Welche Art von Informationen müssen Sie erläutern?

Normalerweise erläutere und fasse ich den aktuellen Stand der Forschung zur Stammzelltherapie und MS zusammen und erkläre, dass die Probleme bei neurologischen Erkrankungen komplexer sind als bei anderen Arten von Erkrankungen. Ich muss auch oft darauf hinweisen, dass einige der Zentren, in denen Stammzelltherapien durchgeführt werden, nicht wissenschaftlich und oft sehr teuer sind und erhebliche Sicherheitsbedenken bestehen. Für Patienten, die der Ansicht sind, sie hätten keine Optionen, kann das frustrierend sein, also sprechen wir oft auch über andere derzeit mögliche Behandlungen, die funktionieren und sich eventuell besser eignen.

Wofür interessieren sich Ihre Patienten besonders?

Das Hauptinteresse besteht daran, ob die Therapie für sie in Frage kommt und ob sie ihnen dabei hilft, ihre Bewegungsfähigkeit und Leistungsfähigkeit wiederzuerlangen, und nicht nur das Fortschreiten von MS anzuhalten. Viele hoffen, dass sie dadurch ihren alten Körper zurück bekommen. Manche Leute haben auch Bedenken wegen der Herkunft der Zellen.

Welche anderen Informationsquellen haben sie zu Rate gezogen?

Meistens Nachrichten aus dem Fernsehen und in Zeitungen, sowie auch Internetseiten und Gespräche mit anderen MS-Patienten.

Empfehlen Sie Leuten, die Ihnen Fragen zur Stammzellforschung stellen, irgend welche Informationsquellen?#

Ich lege den Leuten stets nahe, sich mit ihrer nationalen MS-Gesellschaft in Verbindung zu setzen, da diese benutzerfreundliche Informationen haben, und sich neutrale, unvoreingenommene Meinungen über alle Therapieoptionen einzuholen. Für weitere Informationen verweise ich sie auch speziell auf die Webseite der MSIF: www.msif.org.